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Kanada abseits der Trampelpfade: Meine ganz persönlichen Top Ten

Seit dem Frühjahr 2019 verfolgt Destination Canada, die Tourismusbehörde der kanadischen Regierung, eine neue Strategie: weg von den Hot Spots und hin zu weniger bekannten Orten, Regionen, Attraktionen. Künftig sollen auch mehr Touristen in der Nebensaison kommen.

@Destination Canada (vormals: Canadian Tourism Commission)

Kanada abseits der Trampelpfade ist das neue Motto, „Overtourism“ das Buzzwort. Für viele von Euch klingt das wahrscheinlich wie ein alter Hut. Macht Ihr nicht schon längst einen Umweg um Banff & Co.? Trotzdem finde ich die neue Strategie ermutigend, denn so geht es nicht weiter. Banff ist voll, vor Instagram-Stars wie Joffre Lakes (BC) wird in den sozialen Medien schon wieder abgeraten, und selbst die offiziellen Werber geben Tipps und Fahrzeiten heraus, wann („am besten vor dem Frühstück“) und wie („nehmt das Shuttle, reserviert ein Zeitfenster“) Ikonen wie Moraine Lake und Emerald Lake besucht werden sollten. Seit diesem Sommer versuchen Destination Canada und kanadische DMOs deshalb, auf weniger bekannte Gegenden aufmerksam zu machen und Kanada-Reisende verstärkt für die Nebensaison zu erwärmen. Ob das gelingen wird, weiß niemand. Denn wer lässt sich schon sagen, doch bitte auf Lake Louise und Stanley Park zu verzichten? Aber wie gesagt, ich finde es auf jeden Fall ermutigend. Hier kommt meine (beileibe nicht vollständige) Liste der zehn toll(-st)en Orte, die Ihr jenseits von Vancouver, Banff und Montréal ausprobieren solltet!

 

1. Great Bear Rainforest, British Columbia

Ich hatte das Riesenglück, gleich mehrere Male durch seine Fjorde und Insellabyrinthe schippern und First Nation Guides zu den „day beds“ der Gizzlybären begleiten zu dürfen. Der Beiname „Serengeti Kanadas“ ist absolut berechtigt: An manchen Tagen sah ich innerhalb weniger Stunden Bären, Wale, Wölfe, Adler. Und die weißen Geisterbären, beim Lachsefischen. Nun wird der ökologisch extrem empfindliche Great Bear Rainforest ein weiteres Mal vom Bau der Trans Mountain Pipeline bedroht. Man kann nur beten, dass daraus nichts wird. Denn dies ist ein auf der Welt einzigartiges Stück Wildnis! Meine Gründe für soviel Praise findet Ihr hier und hier!

 

2. Canadian Badlands, Alberta

Ich bin ein Fan der Südostecke von Alberta. Verglichen mit Banff und Jasper ist hier kaum was los. Es gibt zwar keine Rockies und Grizzlies, und mit InstaSelfies von sich mit Moraine Lake kann man auch nicht prahlen, aber dafür hat man die endlosen Straßen, den Horizont und den schönsten, klarsten Sternenhimmel ganz für sich allen. Was genau ich damit meine, lest Ihr am besten hier und hier!

 

3. Bella Coola, British Columbia

Ja, der Weg ist weit. Von Vancouver aus sind es gut zwei Tage bis hierher. Aber dafür wird man umso fürstlicher belohnt. Als ich zum ersten Mal in Bella Coola ankam, dachte ich, schon alle schönsten Stellen im Westen gesehen zu haben. Weit gefehlt! Plötzlich fuhr ich auf einer magenumdrehenden Piste talwärts und war unten dann umgeben von fast senkrechten, mehrere hundert Meter hohen Wänden wie im Yosemite National Park in Kalifornien. Warum war ich nicht früher hierher gekommen? Warum hatte ich noch nie etwas über die Wucht dieser gewaltigen Landschaft gelesen? Ihr könnt das, und zwar hier und hier .. :)

 

4. Osoyoos, British Columbia

Noch so ein Ort wie Bella Coola: Habe ihn lange einfach nicht registriert, weil ich im Print und online nie über ihn gestolpert bin. Als ich dann endlich am Südzipfel des Okanagan Valley ankam, überkam mich ein überwältigendes Gefühl des endlich Angekommenseins! Kein Rummel wie in Kelowna, keine nervige Unsere-Weine-sind-die-besten-Anmache. Keine großen Logos und Franchises. Nur Mom-und-Pop-Läden, eine Handvoll Restaurants und ein oder zwei Pubs für den Absacker. Und ein toller Campingplatz in großartiger, wüstenähnlicher Landschaft. Mehr zu O hier und hier.

@Destination Canada (vormals: Canadian Tourism Commission)

 

5. David Thompson Highway (Hwy. 11), Alberta

Dass auf dieser Strecke so wenig los ist, kann ich nur damit erklären, dass 95 Prozent aller Touristen vom Icefields Parkway hypnotisiert sind. Wenn sie dann an der Abzweigung in Saskatchewan Crossing vorbeikommen, nehmen sie das Hinweisschild einfach nicht wahr. Das ist schade – und gut für alle, die die grandiose Bergwelt nicht gern mit den Heerscharen aus aller Welt teilen. Bis zum Weiler Nordegg zeigen sich die Rockies nämlich auch hier von ihrer besten Seite. Meine persönlichen Highlights sind die Kootenay Plains und der königsblaue Lake Abraham. Dutzende schöner Hikingtrails beginnen an Campgrounds oder Parkplätzen, eine Handvoll Unterkünfte gibt es hier auch. Mehr hier.

 

6. Fraser River Valley, British Columbia

Den Fraser River kennen die meisten nur, weil er sich in den Coast Mountains kurz nach Vancouver durch einen besonders engen Canyon wuchtet. Dass er mit gut 1400 Kilometern der längste Fluß Kanadas ist und sein Tal auf der Höhe von 70 Mile House so tief und breit wird, dass Sportflugzeuge darin wenden können, ist kaum bekannt. Als Gast der Echo Valley Ranch & Spa hatte ich die Gelegenheit, diesen Abschnitt des Fraser River in Ruhe auszukundschaften. Auf unbefestigten Pisten, bei denen selbst unser alter 4WD Subaru ins Rutschen kam!

 

7. Bell Island, Newfoundland

„In der Nacht des 4. September 1942 dringt unweit der neufundländischen Hauptstadt St. John`s das deutsche U-Boot U-513 in die Conception Bay ein. Auf dem Meeresboden vor der Steilküste von Bell Island erwarten Kapitän-Leutnant Rolf Rüggeberg und seine Männer den Tagesanbruch ..“ Tatsächlich erinnert auf dem neun mal dreieinhalb Kilometer großen Bell Island heute so gut wie nichts daran, dass dies der einzige Flecken auf dem Kontinent ist, wo Hitler-Deutschland einst Schaden anrichtete. Nur vor einem kleinen Laden, der Tiere aus Zement anbietet, weist ein Schildchen vielsagend auf eine “Seaman´s Memorial and Picnic Area” in Lance Cove hin .. Spürbare Geschichte. Für mich gerade deshalb sehens- und auch wissenswert. Mehr hier.

 

8. Route 132, Québec

Warum alle Welt vom Cabot Trail schwärmt, aber kaum jemand die Route 132 rund um die Gaspé-Halbinsel kennt, werde ich nie kapieren. Für alle, die in Montréal starten, liegt die 132 doch auf dem Weg! Ich war die letzten Jahre wieder verstärkt dort unterwegs – in der Nebensaison – und kann nur bestätigen, was ich bereits anderswo geschrieben haben. Die Route 132 ist wie der Cabot Trail, nur untouristischer, und bietet daher auch mehr Lokalkolorit. Und coole Abstecher und Outdoormöglichkeiten sowieso. Welche das sind, lest Ihr hier und hier.

 

9. Change Islands, Newfoundland

Reif für die Insel? Für eine Weile offline sein und den Reset Button drücken? Change Islands – es handelt sich um drei Inseln, die aber nur im Singular zitiert werden – ist die kleine Schwester von Fogo Island. Seitdem dort eine millionenschwere, von der Insel stammende Unternehmerin ihre Zukunftsvisionen verwirklicht, hebt Fogo ab. Change, das so klein ist, dass der Atlantik immer und überall zu sehen ist, bekommt von dem Aufwind nur leicht verträgliche Dosen mit. Es gibt zwei, drei empfehlenswerte B&Bs, ein kleines Museum und das Newfoundland Pony Refuge, wo sich eine energische Neufundländerin um diese vom Aussterben bedrohte Pferderasse kümmert, und es gibt herrliche Trails die zerklüfteten Küsten entlang. Hin und wieder trifft man andere Touristen. Hin und wieder .. Mehr hier.

 

10. Parc national de la Gaspésie

Kanadas geografische Elefantiasis ist Fluch und Segen. Im Fall dieses wunderbaren Schutzgebietes auf der Gaspé-Halbinsel trifft beides zu. Von Montréal aus sind es knapp 800 Kilometer bis dorthin. Das trennt die Tagesausflügler von den Hikern und hält die Besucherzahlen in Grenzen. Mehr als 30 Gipfel der steilen Monts Chic Choc sind über 1000 Meter hoch und die Baumgrenze so niedrig, dass man bereits bei 800 Metern durch subarktische Vegetation wandert. Der Charme dieses Teils der Appalachen liegt in seiner rauen Unzugänglichkeit: So unübersichtlich waren die Chic Chocs lange, dass die letzten Seen erst in den 1930er Jahren benannt und kartografiert wurden. Für Hiker ein echtes Dorado: Die Verlängerung des berühmten Appalachian Trail kommt hier durch, und wer nicht im Zelt schlafen will, kann sich in schönen Hütten einquartieren. Mehr hier.

 

 

 

Kanada abseits der Trampelpfade: Noch mehr Infos findet Ihr hier

 

 

 

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