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Hwy. 20 nach Bella Coola (BC): Auf der Freedom Road zum Pazifik

Dass es hier nicht mehr Unfälle gegeben hat, ist wohl nur schierer Zufall. Ich darf das behaupten, weil ich diese Strecke zurückgelegt und selbst beim Schreiben noch feuchte Hände bekomme. „Drei“, sagt Garret Newkirk vom Tallheo Cannery Guesthouse in Bella Cola, als ich ihn danach frage. „In den letzten 30 Jahren sind nur drei Autos in den Abgrund gestürzt.“

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Die Rede ist von „The Hill“. So wird der Abschnitt des Hwy. 20 von Anahim Lake nach Bella Coola am Pazifik genannt. Doch der Name ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Der Highway ist hier zur einspurigen Schotterpiste abgemagert, Ausweichstellen gibt es nur an und ab. Senkrechte Felswände zur Rechten, mehrere hundert Meter tief der Abgrund zur Linken. Man betet, bloß keinem Holztransporter zu begegnen. Oben auf dem Chilcotin Plateau, und unten im Bella Coola Valley, warnen Schilder vor den Gefahren (Lawinen, Steinschlag und im Winter auch noch Eis). Beeindruckende Statistik: Allein auf den ersten 6,4 km klettert die Straße 1219 m! Insgesamt werden vom Talboden bis zum 21 km entfernten Heckman Summit 1828 Höhenmeter überwunden. Bis zu 18% Steigung drücken den Autofahrer in den Sitz – oder lassen ihn nach vorne rutschen und schön kräftig in die Bremsen treten.

Die Geschichte diese abenteuerlichsten Straße Kanadas ist nicht minder bemerkenswert. Ende der 1940 Jahre hatten die Leute von Bella Coola genug von der Isolation. Bis dahin waren alte Indianertrails ihre einzige Verbindung zur Aussenwelt gewesen. Und Schiffe und hin und wieder ein Flugzeug. Sie klopften bei der Provinzregierung in Victoria an, doch die hatte kein Interesse. Zu teuer das Projekt, kein ökonomischer Nutzen. Daraufhin nahm man die Sache in die eigene Hand. Als am 14. September mit den Bauarbeiten begonnen wurde, hatte man 250 Dollar zusammengekratzt. Oben in Anahim Lake wurde ein geliehenes, schon damals uraltes D6-Raupenfahrzeug eingesetzt, unten im Tal ein bereits ausgemusterter TD18-Bulldozer.

Die Freedom Road nach Bella Coola: Eine echte Bürgerinitiative

Jeder war freiwillig und unbezahlt dabei, die Landvermesser, Sprenger und die Arbeiter. Der Besitzer des Ladens in Anahim Lake, der die Verpflegung des Bautrupp übernahm, sah keinen einzigen Dollar. Erst ein Jahr später, am 26. September 1953, trafen die beiden Bautrupps aufeinander. Die inzwischen „Freedom Road“ genannte Strecke war fertig. Weitere zwei Jahre später wurde die Straße vom Verkehrsminister offiziell eröffnet (Die Provinzregierung hatte zwischenzeitlich 60 000 Dollar für den Ausbau spendiert).

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Heißgelaufen: Dieser Trucker musste auf dem Weg nach oben eine Zwangspause einlegen.

Leider (oder gottseidank) liegt das Bella Coola Valley so weit von den Zentren entfernt, dass Straße und Tal noch immer ein Geheimtipp sind. Ich selbst erlebte das Valley, sobald ich den Talboden erreicht hatte, als Yosemite ohne Touristenrummel. Vertikale, 2000 m hohe Felsenwände, üppiger Regenwald mit hohen, alten Bäumen, kaum Verkehr auf der wieder asphaltierten Straße. Die Straße ist ein Erlebnis für sich: So stelle ich mir die Alpenpässe in den 1930er Jahren vor. In der Regel werden 45 Minuten für „The Hill“ veranschlagt. Bei der Rückfahrt hinauf aufs Plateau brauchte ich erheblich länger. Ein Holztransporter blockierte mit kochendem Kühler eine Serpentine ..

 

Weitere Informationen zur Freedom Road nach Bella Cola findet Ihr hier:

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