Kanadas Westen Reisetipps

Kanada abseits der Trampelpfade: In Maple Creek schlafen und noch mehr Gründe für einen Abstecher vom Trans Canada Highway

Ich habe ein Faible für unbekannte Orte in Kanada. In Saskatchewan wurde ich gleich zweimal fündig (dreimal, wenn ich den hervorragenden Main Street Espresso in der Herbstsonne mitzähle ..)

Einen Hund, der wegläuft, sehen sie noch drei Tage vom Küchenfenster aus. Sagen sie in Saskatchewan ..

Spoiler Alert: Diese Geschichte lag eine Weile im Backend. In der Zwischenzeit hat Greg sein geliebtes Ghostown Blues B&B leider geschlossen. Was aus der Anlage wird, weiss niemand. Jedenfalls hoffe ich, dass sich ein wohlgesonnener Käufer findet, der Ghostown Blues weiter führt. Falls nicht: Ich veröffentliche diese Story trotzdem. Einfach weil Maple Creek auch ohne das B&B einen Abstecher wert ist und die Menschen dort einfach liebe Leute sind .. :)

Achung, Cowboy crossing!

In Cattle Country

Von Maple Creek hatte ich noch nie gehört. Oder doch, einmal. Auf dem Bullarama in Oyen,  einem Nest drüben in Alberta. Einer der teilnehmenden Bullenreiter stammte aus einer Rancherfamilie in Maple Creek. Und damit ist eigentlich schon fast alles zur DNA dieses 2000-Seelen-Städtchens gesagt. Rindviecher habens gut hier: Nach Regina sind es schnurgerade 400 Kilometer auf dem Trans Canada Highway, nach Calgary auch. Dazwischen gibt es außer Wolken, Country Music und endlosem Weideland nichts zu sehen und zu hören. Maple Creek liegt ein paar Kilometer südlich vom TCH. Eine hübsche Main Street mit Heimatmuseum, Café/Tante Emma Laden mit Espressomaschine, drei, vier Galerien und den in der Prärie üblichen Von-der-Wiege-bis-zur-Bahre-Läden: Das wars. Im Sommer sind knochenharte Rodeos die gesellschaftlichen Höhepunkte, im Winter dreht sich alles um „The Battle of the Little Big Puck“. Bei diesem Eishockeyspiel treten einheimische Cowboys gegen ihre Nachbarn von den Nekaneet First Nations an – im letzten Drittel sogar in voller Cowboymontur die einen und farbenprächtigen Regalia die anderen.

Ruhig und besonnen, in sich ruhend und voller Geschichten: Greg Hisey, der Besitzer des Ghostown Blues BB

Ein echtes (zumindest die Häuser sind echt) Pionierstädtchen als B&B

Der Gastgeber, ein echtes Urgestein

„Keine Ahnung, was es ist. Jedenfalls ist dies eine besondere Gegend!“ Greg Hisey schließt die Tür zum Office auf. Drinnen: Ein Schreibtisch mit Telefon und Buchungskalender für das Ghostown Blues B$B, an den Wänden schwarz-weiße Actionbilder eines kriminell gut aussehenden Cowboys auf den Rücken wilder Bullen. „Yeah, sie gibt einem mehr zurück als sie nimmt, die Gegend“, nimmt er den Faden wieder auf und überhört dabei die Wer-ist-denn-der-James-Dean-Typ-auf-den-Bildern-Frage. Oder tut er nur so?

Immerhin wird er nun gesprächiger. Stellt sich zu mir und erzählt von seinen neun rodeoverursachten Operationen, wie er „wild and free“ auf einer Ranch in Montana aufwuchs, professioneller Bullenreiter wurde und in „Return to Lonesome Dove“ für Jon Voight, aha, doubelte. Und wie er schließlich für eine Frau von hier nach Saskatchewan zog, danach zwei Jahre lang werkelte und 2010 das Ghostown Blues aufmachte.

Selten so gut geschlafen: Meine Bleibe, ein alter Planwagen, der früher baskischen Schafhirten diente

Übernachtung im Planwagen

„Hab´ damals außer Cowboying ja auch Scheunen und Ranchgebäude auf Vordermann gebracht“, erklärt Greg beim Rundgang. Denn das Ghostown Blues B&B ist kein Haus, sondern eine echte Wildwestsiedlung aus bis zu hundert Jahren alten Holzhäusern, die Greg aus Geisterstädten wie Hatton, Senate und Vidora gerettet, restauriert und hier wieder aufgestellt hat. Jedes ist drinnen so schnuckelig, dass ich am liebsten sofort die Schuhe ausziehen würde. Mir teilt er für die Nacht den Planwagen zu, den „sheep wagon“. Baskische Schafhirten seien darin einst durch die kanadischen Plains gezuckelt, immer ihren Zehntausenden Schafen hinterher. Urgemütlich, mein Quartier! Nachts ruhe ich auf einer breiten Gesundheitsmatratze, lausche den Geräuschen draußen in der Prärie und schlafe so gut wie lange nicht mehr ..

 

Echte Menschen statt soziale Medien

Fernseher auf den „Zimmern“ gibts bei Greg übrigens nicht, Pools und Wasserrutschen zur Bespaßung der Gäste auch nicht. Duschen und WC befinden sich im Haupthaus, einer ehemaligen Kirche, wo auch gefrühstückt wird. Manche Gäste aus der Stadt, sagt Greg, hätten damit ein Problem, aber mir fehlt´s im Ghostown Blues an nichts. Alles hier ist pieksauber und gut in Schuss, und abends hockt man gemeinsam am Lagerfeuer und lernt sich kennen ..

Angeblich quengeln Kinder solange, bis ihre Eltern vom Trans Canada Highway abbiegen und Cowtown Kids anlaufen

 

Mitten in der Prärie ein Spielzeug-Dorado

Sorry, ich gerate ins Schwärmen, und ihr fragt euch jetzt, was denn die anderen beiden Gründe für den Abstecher vom TCH sind! Nun, beide befinden sich in Blickweite voneinander an der Jasper Street, der Hauptstraße von Maple Creek. Cowtown Kids & Toys (Nr. 127) ist der größte unabhängige Spielzeugladen der Provinz und bietet u. a. mit über 6000 Spielen das wohl größte Puzzle-Sortiment zwischen Regina und Vancouver. Die Renner sind jedoch die Stofftiere. Wale, Eulen, Nashörner, Pinguine, Bären usw.

Hatte einen guten Riecher undf gehörig Mut: Bob Siemens hat Cowtown Kids 2015 eröffnet und zu einem populären Anlaufpunkt in Maple Creek gemacht

Wer hier nicht das passende Puzzle findet, wird es nirgendwo finden ..

 

Bob Siemens stellt sie in einem bis unter die Decke vollgestopftem Raum aus. Die fliegenden Eichhörnchen seien bei den Kids am beliebtesten, lächelt der junge Ladenbesitzer. Warum gerade die? Diese und die Frage, warum ich nicht schon früher in Maple Creek vorbeigeschaut habe, lasse ich mir beim besten Espresso am Trans Canada Highway durch den Kopf gehen. Den Namen des Cafés an der Jasper Street habe ich vergessen, aber das macht nichts. Ihr werdet es finden. Verlaufen kann man sich in Maple Creek ja nicht ..

 

 

Nähere Informationen zu Maple Creek findet Ihr hier

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