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5 Fragen zu Reisen in Kanada, die immer wieder gestellt werden (und meine Antworten)

Mit oder ohne Navi? Sind Bären echt so gefährlich? Manche Fragen stellt sich jeder Kanadareisende irgendwann. Ich habe darauf ein paar Antworten parat, die auf eigenen Erfahrungen beruhen.

Foto: Destination Canada

1. Wo kann ich am besten angeln?

Kanada, Land der Freiheit und der netten Menschen? Im Prinzip ja. Beim Angeln ohne Angelerlaubnis hört die kanadische Nettigkeit allerdings auf. Wer glaubt, an einem namenlosen See im tiefsten Busch Selbstversorger spielen und eine Forelle nach der anderen aus dem Wasser ziehen zu können, betreibt nicht nur Raubbau, sondern handelt angesichts der rechtlichen Lage extrem bescheuert. Hierzu kurz meine Geschichte: Vor ein paar Jahren war ich in einer Fly-in-Lodge in Nord-Ontario zu Gast. Zur nächsten Straße waren es 30 Flugminuten. Tagsüber wurde geangelt. Einsamkeit, meilenweit keine Menschenseele außer uns. Am zweiten Tag landete ein mit Schwimmern ausgerüsteter Hubschrauber neben uns. Mitten auf dem See. Ein Beamter von Ontario Natural Resources and Forestry stieg aus und wollte unsere Angellizenzen sehen. Gottseidank hatten wir welche, der Lodgebesitzer hatte sie uns besorgt. Hätten wir keine gehabt, wäre es verdammt teuer geworden. Der Besitzer erzählte von uns von Strafgeldern im hohen fünfstelligen Bereich. Also: Vor dem Anglerglück ab zum nächsten Bait & Tackle Shop/Tankstelle/General Store und die Angellizenz gekauft! Diese Läden gibt es überall dort, wo viel Boot gefahren wird. Dort kann man sich auch über die zulässigen Fangmengen (“quotas”) und freigegebenen Fischarten informieren. In den Nationalparks muss ggf. zusätzlich ein “fishing permit” gekauft werden. Beides ist nicht teuer und ist inzwischen auch online erhältlich.

Foto: Destination Canada

Dies sind die entsprechenden Links zu Kanadas Anglerparadiesen:

Alberta: www.mywildalberta.com/Fishing/LicensingFees/Default.aspx

British Columbia: www.fishing.gov.bc.ca/

Northwest Territories: www.enr.gov.nt.ca/_live/pages/wpPages/permits.aspx

Yukon Territory: www.env.gov.yk.ca/hunting-fishing-trapping/fishinglicences.php

Alaska: www.adfg.alaska.gov/index.cfm?adfg=fishingSportFishingInfo.main

Saskatchewan: https://saskatchewanlicences.active.com/licensing.page

Manitoba: http://huntfishmanitoba.ca/go-fishing/fishing-seasons-and-licenses

Ontario: https://www.ontario.ca/page/fishing

Québec: https://mffp.gouv.qc.ca/english/publications/online/wildlife/fishing-regulations/general-regulations/fishing-licence.asp

New Brunswick: http://www2.gnb.ca/content/gnb/en/services/services_renderer.1115.Fishing_Licence.html

Nova Scotia: https://novascotia.ca/sns/paal/fish/paal190.asp

Newfoundland & Labrador: http://www.flr.gov.nl.ca/wildlife/angling/index.html

 

2. Sind Bären echt so gefährlich?

Auf meiner letzten Reise auf dem Alaska Highway geschah Folgendes. Auf dem linken Seitenstreifen mäht ein großer Schwarzbär friedlich das Gras. Ich fahre rechts an und genieße das Bild. Ein paar Minuten später parkt ein Van hinter mir. Fahrer und Beifahrer steigen aus, überqueren die Straße und gehen mit gezückten Smartphones auf den Bären zu. Der hört auf zu fressen, hebt den Kopf, mustert die beiden und bewegt sich nun seinerseits mit angelegten Ohren auf die beiden – sorry – Idioten zu. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und schreie “Go back to the car. NOW” zu. Erst jetzt kapieren die beiden, dass sie viel zu nahe sind, und treten den Rückzug an.

Foto: Destination Canada

Ich werde immer wieder gefragt, ob “das mit den Bären” wirklich so gefährlich ist. Kurz gesagt: In Kanada braucht Ihr keine Angst vor Bären zu haben. Egal ob Schwarz- oder Grizzlybären. Allerdings solltet Ihr, bevor es in die Wildnis geht, ein paar grundlegende Verhaltensregeln verinnerlicht haben. Zunächst gilt: Marschiert, wenn irgend möglich, nicht allein los. Sucht Euch Weggefährten. Macht auf Wanderungen Lärm. Singt, ruft oder klatscht regelmäßig in die Hände, um schon von Weitem auf Euch aufmerksam zu machen. Falls ein Bär in der Nähe ist, wird er in der Regel von sich aus einen anderen Weg einschlagen, um seine Ruhe zu haben. Achtet auch auf frischen Bärenkot und neue Kratzspuren an den Bäumen. Falls es dennoch zu einer unverhofften Begegnung kommt: Verhaltet Euch ruhig und rückt dicht zusammen, damit der Bär sich einem noch größeren Tier gegenüber wähnt. Sprecht leise und beruhigend auf ihn ein und tretet dabei langsam den Rückzug an. Falls auch das den Bär nicht auf andere Gedanken bringt, hilft nur noch Pfefferspray.

Situationen wie die eingangs erwähnte erlebt man jedoch am häufigsten. Ich kann nur dies raten: Bleibt im Auto und macht Eure Bilder durchs Fenster. Niemals auf den Bären zugehen oder, wie ich schon oft am Trans Canada Highway im Banff National Park erleben musste, auf den Zaun zumarschieren, hinter dem ein Grizzlybär steht. Wenn er will, reißt ein Grizzly so einen Zaun in Sekundenschnelle in Stücke. Wer keine Erfahrung im Umgang mit wilden Bären hat, deren Körpersprache nicht versteht und deren Bedürfnis nach Raum nicht respektiert, spielt nicht nur mit seinem, sondern auch mit dem Leben des Bären. Hat dieser nämlich einmal einen Menschen angegriffen, gilt er als Problembär und wird früher oder später von der Polizei oder Rangern getötet. Deshalb ist auch das Füttern von Bären ein absolutes No-No: Hat der Bär erst einmal Menschen mit Nahrung assoziiert, wird er so lange immer näherkommen, bis gefährliche Situationen einfach entstehen müssen. Und in der Zeitung ist dann zu lesen, dass leider, leider ein weiterer Bär hätte “destroyed” werden müssen.

Foto: Destination Canada

3. Brauche ich jetzt ein Navi oder nicht?

Auch wenn ich mich jetzt als innovationsresistenter Babyboomer oute: Ich bin in Kanada seit meiner Einwanderung 1993 immer prima mit Stadt- und Landkarten zurechtgekommen. Sobald Ihr aus den Großstädten raus seid und die Geografie ein wenig im Kopf habt, findet Ihr Euch leicht zurecht. Oft führt sowieso nur eine Straße zum Ziel .. :)!

Aber zugegeben: Seit ich ein Smartphone besitze, lasse ich das Google Maps Navi gern schon mal an. Vor allem in Großstädten wie Calgary und Vancouver, um relaxter in den Verkehr zu gehen. Und um sehen, wo genau ich in der Millionenstadt gerade bin und wie weit es noch bis zum Hotel XY ist. Wenn Ihr also unterwegs nicht mit den in jedem Besucherzentrum erhältlichen, guten Straßenkarten auf dem Schoß hantieren wollt, bucht mit dem Leihwagen auch ein Navi. Besonders beim ersten Mal in Kanada werdet Ihr Euch damit sicherer fühlen. Oder aber schließt vor Ort bei einem der großen kanadischen Anbieter (Rogers, Telus, AT&T, etc.) einen Prepaid-Vertrag ab, damit Ihr nicht nur jederzeit Fotos von unterwegs nach Hause funken, sondern ggf. auch das Navi von Google Maps konsultieren könnt.

 

Foto: Destination Canada

4. Wie weit ist es denn nun wirklich?

“Wir haben 14 Tage Zeit und wollen uns Vancouver, Vancouver Island und die Rocky Mountains anschauen. Hast Du sonst noch gute Tipps, Ole?”

Na klar!

Mein erster Tipp: Schaut mal auf die Karte. Nicht auf die auf Eurem lächerlich kleinen Smartphone Display, sondern auf die gute alte Landkarte aus Papier. Breitet sie auf dem Küchentisch aus und guckt auf den Maßstab! Deutschland würde 30 Mal in Kanada hineinpassen und fast sechs Mal in BC und Alberta.

Mein zweiter Tipp: 800 Kilometer in BC und Alberta sind nicht wie 800 Kilometer auf der Autobahn längs durch Deutschland. Was bei uns noch als Tagestour durchgeht, pflegt in Kanada ein langer, langer Tag auf Strecke zu sein – wegen Tempolimits, zweispurigen Abschnitten, kurvenreicher Streckenführung, Pinkelpausen bei Tim Hortons usw. usf. Nehmt Euch deshalb nie mehr als 400 Kilometer pro Tag vor. Oder lieber noch weniger, schließlich wollt Ihr auch was sehen und öfter mal anhalten. Im Übrigen geben Kanadier Entfernungen gern auch in Stunden oder Tagen an. Oder, in souveräner Missachtung des von Trudeau Senior bereits 1970 eingeführten metrischen Systems, in Meilen. Wobei 1 Meile gleich 1,61 Kilometer ist ..

Mehr Tipps zu diesem Thema findet Ihr auch hier: 7 Tipps. Entfernungen in Kanada mit Angaben zu reiner Fahrzeit, Durchschnittgeschwindigkeit und Benzinverbrauch findet Ihr hier: Canada Distances Online.

Foto: Destination Canada

5. Wo kann ich wilde Tiere sehen?

Die Erwartungen sind groß. Schließlich sieht man Bären und Elche in jeder Broschüre. Aber Vorsicht: Mutter Natur lässt sich nichts vorschreiben, deshalb steht der kapitale Elch selten fotogen im Sumpf, schnappt der Grizzly nicht auf Bestellung nach Lachsen. Vermutlich werdet Ihr Tiere zunächst so sehen wie ich: vom Auto aus, am Straßenrand oder beim Überqueren derselben, auf dem Campingplatz oder sogar mitten in Resortstädtchen wie Radium Springs (BC), Tofino (BC), jasper und Banff (beide Alberta). Bestimmte Streckenabschnitte sind bekannt für relativ sichere Tiersichtungen: der Alaska Highway bei Liard Hot Springs für Bisons und bei Muncho Lake für Bergziegen und Karibus, die Straße von Jasper hinauf zum Pyramid Lake für Wapitihirsche, die Anfahrt auf das Prince of Wales Hotel im Waterton Lakes National Park (Alberta) für Grizzlybären, der Hwy. 60 durch den Algonquin Park und die Straße nach Trout River im Gros Morne National Park (Newfoundland & Labrador) für Elche, die Route 299 in den Parc national de la Gaspésie (Québec) für Schwarzbären. Usw. usf. Fragt am besten in den Besucherzentren, wo zuletzt Wildtiere gesichtet wurden. Ansonsten müsst Ihr noch vor Sonnenaufgang aufstehen: Vor allem entlang der weniger befahrenen Straßen in den National- und Provinzparks lassen sich die Wildtiere bei Morgengrauen am besten beobachten – und in aller Ruhe fotografieren.

Foto: Destination Canada

Wo nun sind nun die Hot Spots? Hier kann ich nur aus eigener Erfahrung berichten.

Bären: Schwarzbären sind mir in jeder Provinz über den Weg gelaufen. Relativ “bärensicher” (Schwarz- und Grizzlybären) sind die Nationalparks Banff, Jasper und Waterton Lakes (alle AB), Yoho und Kootenay (beide BC). Relativ verlässlich für Schwarzbären sind Gros Morne und Terra Nova (Nfld), Forrillon (Qué.) und Pukaskwa (Ont.). Neben den o.g. Straßen haben auch diese Strecken “Bärenpotenzial”: der Alaska Highway zwischen Whitehorse und Haines Junction, der Hwy. 37A nach Stewart (BC) sowie die Forestry Trunk Road von Canmore nach Pincher Creek (Alberta). Grizzly-Garantie gibt es bei Besuchen in der Great Bear Lodge und der Spirit Bear Lodge oder aber auf Kreuzfahrten mit der Maple Leaf.

Wale: “Whale Watching” gehört zur Kanadareise einfach dazu. Ihr werdet die sanften Riesen entweder auf kommerziellen Walbeobachtungstouren sehen oder – politisch korrekter – vom Ufer oder Bootssteg aus. Für die Anbieter von Walbeobachtungstouren gelten dabei strenge Regeln: U. a. dürfen sie sich den Walen nicht mehr als 100 Meter nähern. Bilder, die Wale unmittelbar neben dem Boot zeigen, pflegen zu entstehen, wenn der Wal sich aus Neugierde dem Boot nähert. An der Ostküste (Quebec, Atlantik-Kanada) werdet Ihr vor allem Grau-, Buckel- und Minkewale sehen. Belugas begegnet Ihr im St.-Lorenzstrom und vor Churchill an der Hudson Bay (hier mehr). Gute Spots für Walbeobachtung vom Land aus: die Felsenhalbinsel Les Bergeronnes bei Tadoussac und die Klippenwege im Parc national de Forillon (beide in Québec), in Newfoundland der der Strand von Trout River im Gros Morne National Park und eigentlich überall am East Coast Trail (Verw.). Die Stars an der Westküste sind eindeutig die Orcas oder Schwertwale. Am besten sieht man sie mit Walbeobachtungsveranstaltern vom Boot oder Kajak aus, und zwar hier: Johnston Strait (ab Campbell River, Telegraph Cove, Port McNeil) und Strait of Georgia (ab Vancouver, Victoria und Sooke)

 

 

 

 

 

 

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