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Auf dem Icefields Parkway nach Jasper: Erster Schnee und großer Frust

Erste Oktoberwoche. Am Ende meiner vierten Woche on the road in BC und Alberta schneit es. Jasper ist eine einzige Waschküche, Berge sehen ist nicht. So ein Mist. Aber gottseidank habe ich einen Plan B gegen den Frust.

David Thompson Highway Anfang Oktober. Ein absoluter Genuß. Nicht mal der Icefields Parkway hat mir besser gefallen. Vielleicht ist es das Düstere der Jahreszeit, das mich so angemacht hat?

Und wieder ein Abschied. Alan und Madeleine, die Besitzer der Aurum Lodge (Link), waren wunderbare Gastgeber. Doch bevor ich melancholisch werde, fährt Madeleine, die eigentlich zum Einkaufen nach Rocky Mountain House unterwegs war, wieder vor und ruft: „Elche!“. Ich springe zu Alan ins Auto und los gehts! Fünf Minuten später haben wir sie gefunden. Drei Prachtexemplare äsen da am Straßenrand, ein kapitaler Bulle mit mächtigen Schaufeln und eine Kuh mit Kalb. Von uns lassen sie sich nicht stören. Eine köstliche halbe Stunde beobachten wir die drei, dann bringt Alan mich zurück zum Navion ..

Gleich neben der Straße. Da hält doch gern mal an .. 😉

Icefields Parkway im Oktober? Wettermäßig ein echtes Lotteriespiel!

Heute geht´s nach Jasper. Auf dem Icefields Parkway! So gegen neun Uhr morgens hat mich der Highway 11 wieder. Nach Saskatchewan Crossing sind es gerade mal 30 Minuten, doch zwei Stunden später bin ich immer noch nicht da. Alle fünf Minuten fahre ich rechts ran und mache Bilder. Die Aussicht am Baumstumpf von gestern hält mich eine glatte habe Stunde auf ..

Was soll ich nun vom Icefields Parkway berichten, was Ihr nicht schon wisst? Vielleicht, dass auch Anfang Oktober noch eine gute Zeit für diese Traumstraße ist? Wer bis hierher mitgelesen hat, weiss, dass ich vor 14 Tagen von Lake Louise den ersten Abschnitt des Parkway gemacht habe. Vor zwei Wochen regierte noch der Indian Summer, die Straße badete in gold. Jetzt aber ist es eindeutig: Der Herbst ist zuende. Die Bäume sind kahl und grau. Schnee liegt in der Luft, die Wolken hängen tief. Und gaz schön schattig ist es! Der Athabasca-Gletscher und das Columbia Icefield darüber sind eine unwirkliche, kalt schimmernde weiße Wüste. Auf dem Glacier Skywalk frieren nur noch ein paar chinesische Touristen. Ich fahre weiter. Ich boykottiere diese sinn- und nutzlose neue „Attraktion“, von der aus der Blick ins Sunwapta Valley auch nicht besser ist als vom Straßenrand. Je näher Jasper kommt, desto grauer wird der Himmel. Bald verschwinden die Berge in den Wolken. Als ich in Jasper auf den Whistlers Campground rolle, schneit es. Ich bete, dass die Heizung diese Nacht nicht schlapp macht.

Mächtig düster: An diesem Tag zeigten sich die Rockies ziemlich abweisend ..

Auch nicht besser: Jasper fand an diesem Tag drinnen in den Coffee Shops am Connaught Drive statt. Die keinen Kilometer entfernten Berghänge blieben unsichtbar.

Auch am Pyramid Lake oberhalb von Jasper wurde ich eines besseren belehrt. Außer Nebel nix zu sehen. Ausser dass ich mit einem Paddel fast in der grauen Suppe über mir hätte herumrühren können ..

Plan B: Raus aus dem Jasper National Park!

Anderntags ist Waschküche! Was´n Frust: Da bin ich nun in einer der schönsten Landschaften der Welt und sehe nicht mal die unteren Berghänge! Nach dem Frühstück im Bears Paw versuche ich es zunächst am Pyramid Lake oberhalb von Jasper. Dort hängt der Himmel so tief, dass ich mit einem Paddel darin herum rühren könnte. Ich beschließe, meinen Frust in den Miette Hot Springs zu ersäufen. Das ist die beste Idee des Tages. Beim Einweichen im heißen Wasser des Pools komme ich mit einem netten Kanadier aus Hinton ins Gespräch. „Wenn Du Tiere sehen willst, musst du das Gelände der Kohleabbaufirma Teck 40 Kilometer südlich von Hinton aufsuchen“, sagt er. „Das ist Privatgelände, und seit Jahrzehnten ist Jagen da verboten. Die Tiere wissen, dass sie dort sicher sind. Ich habe dort an der Straße nach Cadomin erst gestern abend Grizzlies gesehen!“

Blutjung und schon eine alte Seele: Jäger Trail aus Cadomin erklärte mir seine Flinte und blies für mich in seine selbstgebastelte Wapiti-Tröte. Der so angesprochene Bulle blieb jedoch, wo er war. An diesem Abend zumindest ..

Kluge Dame: Dieses Wapiti-Weibchen blieb stur hinter dem Jagen-Verboten-Schild. Offenbar konnte es lesen .. 😉

Und so kommt es, dass ich bei Sonnenuntergang kurz vor Cadomin ein jungen Jäger namens Trail kennenlerne. Trail steht am Rand der Piste und ahmt mit seiner Tröte die Brunftlaute der Wapitis nach. Damit will er einen ganz bestimmten Bullen vom Privatgelände der Kohlefirma locken, um ihn zu schießen. Ich verbringe eine Stunde mit Trail und warte auf den Bullen. Doch an dem Abend kommt er nicht herüber. Kluger Bursche. Ich wünsche Trail Waidmann´s Heil und fahre zurück nach Jasper. Auf dem Gelände der Kohlefirma erlebe ich dann mein blaues Wunde: Über hundert Wapitis grasen auf dem Hang rechts über mir. Das miese Wetter ist endgültig vergessen. In dieser Nacht komme ich erst spät in die Federn ..

 

 

Mehr über diese Roadtrip-Etappe erfahrt Ihr hier

 

 

 

 

 

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