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Im Winter nach Yellowknife (NWT): Nordlichter, Eisstraßen und Rosinenbomber

Noch weiter nördlich  gibt es nur noch die Inuitsiedlung Kuglutuk am Arktischen Ozean. Danach kommen ein paar leere Inseln, dann der Nordpol. Die Hauptstadt der kanadischen Northwest Territories ist eine echte Frontierstadt. Als Winterziel ist sie nicht bekannt. Ich war trotzdem da – und hatte trotz der Eiseskälte eine Menge Spaß.

So ist es. Genau so.

In Yellowknife, sagen selbst die Kälte gewohnten Kanadier, ist der Winter zu Hause. Damit meinen sie: In Yellowknife ist der Hund verfroren. Zumindest im Winter. Doch wie so vieles, das mehr auf Hörensagen fußt als auf persönlicher Erfahrung, ist auch dies nur die halbe Wahrheit. Wahr ist, dass Yellowknife weit weg von allem ist. Die Stadt hat zwar 21000 Einwohner, ist aber von so viel Leere umgeben, dass man auf Google Maps eine Weile mit dem Cursor umherirrt, bis man sie am Nordufer des Great Slave Lake findet. Wahr ist auch, dass es dort im Winter ziemlich schattig ist. Ziemlich sehr schattig sogar. Im Januar beträgt die Durchnittstemperatur knackige -26 Grad, aber -35 und kälter gelten auch noch als normal.

Detta Iceroad: Auf Wasser fahren

Hält das auch? Das Gehirn sagt na klar, aber der Rest der Mannschaft besteht darauf, dass man eigentlich ja auf Wasser unterwegs ist .. 😉

Detta Iceroad: Stilgerechter Abendspaziergang mit Hund und Kind .. 🙂

Unwahr hingegen ist, dass man im winterlichen Yellowknife friert und sich zu Tode langweilt. Im Gegenteil. Wir haben gar keine Zeit dazu. Wir tun hier all´ die Dinge, die auf unserer Do-List stehen, seit wir im Fermsehen “Ice Road Truckers” und “Ice Pilots” gesehen haben. Als erstes ist die Eisstraße dran. Gegenüber von Yellowknife liegt Dettah, ein Dorf der Dene-Indianer. Im Sommer führt der Weg dorthin rund um die Bucht und ist 27 km lang. Im Winter nehmen die Einheimischen die 7 km lange Ice Road über die Bucht. Die “Ice Road to Dettah” ist 25 Meter breit und wird jedes Jahr Ende Dezember eröffnet. Dann ist die Eisdecke wenigstens 40 Zentimeter dick. Ab Mitte bis Ende Januar trägt sie max. 40 000 kg. Straßenbautrupps messen regelmäßig die Dicke des Eises, testen die Tragfähigkeit, fräsen die Schneeoberfläche und rauen das Eis für Gummireifen auf. Sobald das Eis brüchig erscheint, bohren sie Löcher, um die Schwachstellen zu fluten und vom Frost versiegeln zu lassen. Wir genießen die Fahrt durch das blütenreine Weiß. Ein tolles, fast überirdisches Fahrgefühl! Zu gern würden wir aufs Gas treten, doch erlaubt sind nur 40 km/h. Denn wer zu schnell fährt, erzeugt unter dem Eis eine Heckwelle, die zu Rissen führen und nachfolgende Autofahrer in Gefahr bringen kann. Wir sind also brav und kommen in der Folgezeit fast jede Nacht wieder. Der Nordlichter wegen.

Aurora Borealis: Nordlicht-Garantie in Yellowknife

Nordlichter über den NWT: Yellowknife gilt weltweit als der Ort mit den meisten Nordlichtern!

Nordlichter fotografieren macht süchtig. Schuld daran ist auch Carlos Gonzales, Chef von Yellowknife Outdoor Adventures und blauäugiger Sohn spanischer Einwanderer. Gleich am ersten Abend fahren wir mit Carlos auf Motorschlitten zu seiner Hütte auf einem Felsen im Great Slave Lake. Die Nacht ist sternenklar, die Milchstraße erkennbar. Es sind -30 Grad, doch die Spezialanzüge halten warm. Yellowknife wirbt mit der weltweit höchsten Erfolgsrate um Nordlichterfans, und tatsächlich: Nach Mitternacht verwandelt sich eine lang gezogene graue Wolke in einen Schleier von immer kräftigerem Grün. Wir haben die Kameras schon eingestelllt – ISO 4000, Blende 2,8, Belichtung 10 Sekunden, Brennweite 16 mm – und auf ein Stativ montiert. Ein paar Meter weiter stehen zwei Ehepaare aus Virginia und ein Besucher aus Dänemark. Displays leuchten, Stirnlampen gehen an und aus, entzückte Seufzer im 10-Sekunden-Takt. Irgendwann tanzen die Nordlichter sogar. Am Ende haben wir in vier von sieben Nächten Nordlichter genossen.

Yellowknife: Stadtbesichtigung bei minus 25 Grad

Blick vom Bush Pilots Monument auf die zugefrorene Bay. Ihr seht auch die Detta Ice Road!

Unterwegs in der Old Town von Yellowknife!

Downtown Yellowknife: Als ich dieses Bild machte, hielt der Typ im Bild an und meinte, das wäre vergleichsweise warm!

Yellowknife´s Old Town liegt auf einer schmalen Halbinsel mit einem hohen Felsen in der Mitte. Wo sich früher die Blockhütten der Goldsucher drängten, schmiegen sich nun die eleganten Residenzen der Besserverdiener an die Felswände. Was sagte Carlos? Yellowknife ist nicht für Faulpelze. Doch wer sich nicht scheut zuzupacken, findet schnell einen Job. Allerdinsg sind die Lebenshaltungskosten im hohen Norden hoch: Ein gutes Leben kostet, Miete und Auto inklusive, leicht 150 000 Dollar im Jahr. Wir klettern die Treppe zum mitten in Old Town liegenden Bush Pilot´s Monument hinauf und genießen den fantastischen Rundblick auf Back Bay, Altstadt, Yellowknife und den schneeweiß strahlenden Great Slave Lake. Das Mahnmal gedenkt der Buschpiloten, die in dieser subarktischen Wildnis ihr Leben verloren. Ein perfekter Tag! Unser Atem dampft in der Sonne, der Schnee knackt unter den Stiefeln. Mittags kehren wir im hübschen Dancing Moose Café unterhalb des Pilotendenkmals ein und ordern Eggs Benedict. Die junge Kellnerin ist aus Deutschland und mit Work & Travel-Visum hier. Sie liebt jede Minute hier, sagt sie.

Beck´s Kennels: Mit sechs Hundestärken durch die Kälte

Born to run: Wir mussten uns mächtig auf die Bremsen stellen, damit die Jungs nicht einfach losrasten .. 😉

Manchmal kommt der Knuddeltrieb einfach durch ..

Wir auch. Die tägliche Anziehprozedur – warme Unterwäsche, drei Lagen Oberbekleidung, Handschuhe, Mütze – geht schnell in Fleisch und Blut über. Am einzigen bedeckten Tag gehen wir Hundeschlittenfahren. Hundeschlitten gehören zu den Northwest Territories wie Buschflugzeuge und Eisstraßen. Bei Grant Beck, Inhaber von Beck´s Kennels und wortkarge Musherinstitution im kanadischen Norden, dürfen wir selbst Musher spielen. Unsere Alaskan Huskies zerren so ungeduldig, dass wir uns mit aller Kraft auf die Bremsen stellen müssen. “Fallt nicht runter”, warnt Grant noch, “die warten nicht auf Euch!” Dann gibt er das Kommando, und unsere Gespanne fahren, nein, fliegen los, dass uns Hören und Sehen vergeht. Wir fahren rund um den Grace Lake, einen zwischen runde Felsen gebetteten See vor den Toren der Stadt. Eine kurze Tour zwar, bei der wir jedoch die Lust der Hunde am Laufen und Ziehen bewundern lernen!

Gestatten; meine DC-3. Just kidding. Mit dieser alten Maschine hatte ich den angenehmsten, gemütlichsten Flug, seitdem ich im kanadischen Luftraum unterwegs bin!

Buffalo Airways: Im Oldtimer über den Great Slave Lake

“Die einzigen heute noch im Linienbetrieb eingesetzten DC-3 fliegen auf der von Buffalo Airways bedienten Strecke Yellowknife – Hay River in den Nordwest-Territorien von Kanada.” Soweit Wikipedia. Dazu muss man wissen, dass die letzten DC-3 1945 gebaut wurden und während der Berlinblockade als “Rosinenbomber” Nahrungsmittel über West-Berlin abwarfen. Damit kam der Flug auf unsere Liste. Unsere beiden Flüge mit diesen Maschinen – jeweils 45 Minuten dicht über den im rosafarbenen Morgenlicht schimmernden Great Slave Lake – sind echte Erlebnisse. Buffalo Airways, ein 1970 gegründeter Familienbetrieb, bietet vor allem Charterdienste an. Für Minen- und Diamantengesellschaften transportieren ihre Flugzeuge alles, was sich an Bord verstauen lässt. Am Einstieg geht es entsprechend unzeremoniell zu. Erst balancieren wir über eine wackelige Treppe, dann ducken wir uns unter einem als Windschutz in die Tür gehängten Sack hindurch, zuletzt zwängen wir uns an bis unter die Decke gestapelten Frachtkartons vorbei in den kleinen Passagierraum. Die Sitze sind gepolstert und urgemütlich, die Kopfschoner giftgrün. Wir merken gar nicht, dass wir abheben, so sacht und gleichmäßig brummend hebelt sich die DC-3 in den noch dunkelblauen Morgenhimmel. Als wir die Reiseflughöhe erreichen, schenkt der nun zum Steward mutierte Mechaniker den zwei Dutzend Passagieren Kaffee ein. Uns erlaubt er den Gang nach vorn, ins Cockpit. Wo gibt es das sonst noch dieser Tage? Die beiden Piloten sind blutjunge Kerle. Als der Kopilot mich bemerkt, nickt er mir kurz zu und widmet sich dann wieder den Instrumenten. Die sind noch jünger als er. An Bord dieser 70 Jahre alten Maschine finden wir das durchaus beruhigend.

Im Cockpit der DC-3: Wo gibts das sonst noch, dass man den Piloten während des Flugs einfach so über die Schulter schauen darf?

.. und hinten wurden die Fracht für die Leute in Hay River verstaut. Danach mutierte der Gepäckträger zum Steward und reichte heissen Kaffee herum!

 

 

 

 

Mehr über Yellowknife und die Northwest Territories erfahrt Ihr hier

Northwest Territories Tourism, www.spectacularnwt.de
Explorer Hotel, http://www.explorerhotel.ca/
Becks Kennel, http://www.beckskennels.com/
Buffalo Airways, http://www.buffaloairways.com/
Yellowknife Outdoor Adventures, https://yellowknifeoutdooradventures.com/

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