Kanadas Westen News

Roadtrip 2016: Waschstraße Trans Canada Highway

Es gießt. Einer dieser riesigen Holztransporter kommt mir entgegen. An der Spitze einer riesigen Gischtwolke. Als er nur einen Meter entfernt an mir vorbeirauscht, sehe ich für ein paar Sekunden so gut wie nichts ..

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TCH kurz vor Golden: Ich fuhr 100. Der hier fuhr ..

Es ist wie in der Waschstraße. Dann gewinnen die Scheibenwischer des Navion wieder die Oberhand. Der Hwy. 93 vor mir ist ein konturloses graues Band. Links und recht müssten steile Berge sein, aber davon sehe ich nichts. Beide Hände ans Lenkrad jetzt.

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W e n n die Wolkendecke aufbrach, zeigten die Rockies sich urweltlich und bedrohlich ..

Die Rockies im Herbst: Vorher weather.ca checken!

Ich hätte mir den Wetterbericht im Netz anschauen sollen, denke ich, während ich missmutig durch die graue Suppe rollen. Und hier gleich ein Tipp für alle, die im Herbst in die kanadischen Rocky Mountains fahren: Informiert Euch vorher über das Wetter dort, entweder bei weather.ca oder auf den Wetterkanälen im kanadischen Fernsehen. Wenn Ihr aus Zeitgründen nicht unbedingt weiter müsst, bleibt wo Ihr seid und fahrt einen Tag später. Dann seht Ihr was und müsst Euch nicht später anhören, was Ihr alles auf diesem Abschnitt verpasst habt .. 😉

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Mehrstündige Staus sind ein sozialer Event .. 🙂

Von Kelowna aus habe ich morgens den Highway 93 nach Sicamous genommen. Der Glanz und Glitter der Weinbauregion Okanagan verschwindet langsam. Bei Vernon sehe ich nur noch zwei oder drei Weingüter. Die 40 000-Einwohner-Stadt hat eine hübsche Main Street, aber angesichts der dunklen Wolken fahre ich weiter. Bei Sicamous fängt es dann an zu schütten. Sich Mara Lake und Shuswap Lake anzusehen, das Hausbootparadies Kanadas, macht keinen Sinnen. Zähneknirschend setze ich diese surreale Reise fort. Ich mache kleine Zehn-Sekunden-Videos mit dem iPhone von dem Unwetter.

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Aha-Erlebnis Nr. 1: Das Türkis des Kicking Horse River war so stark, dass es selbst das graue Wetter ausleuchtete!

Inzwischen bin ich auf dem Trans Canada Canada Highway, und als habe die Roadtriplegende ein Machtwort gesprochen, klärt es ein wenig auf. Der Verkehr fließt störungsfrei. Im Glacier National Park genieße ich die steil an die Straße herantretenden Columbia und Selkirk Mountains und die gegen Lawinenabhgänge gebauten Tunnel. Und natürlich habe ich mich zu früh gefreut. Kurz vor Rogers Pass werden über der Straße präventive Sprengungen vorgenommen, um Steinschlagefahr auszuschalten. Stau, lange Schlange. Ich mache den Motor aus und brühe mir hinten einen Espresso. Viele Autofahrer steigen aus und gehen auf dem Trans Canada Highway spazieren. Dabei bemerke ich wieder einmal, dass der Navion nicht irgendein Wohnmobil ist. Zwei Frauen gehen sogar einmal um den Wagen und schauen sich alles ganz genau an.

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Aha-Erlebnis Nr. 2: Je grauer das Wetter, desto schöner das Gelb der Birken und Espen!

Meine Espressokanne ist voll, spontan lade ich die beiden zum Kaffee in meinem „Wohnzimmer“ ein. Die beiden – es sind Mutter und Tochter – sagen nicht nein, und zwei Sekunden später sitzen wir am Navion und reden RV. Die beiden kommen aus Sorrento, wo sie das Wohnmobil der Familie winterfest und im RV Park abgestellt haben, und fahren nach Calgary. Der Navion punktet mit seiner der elektrisch ausfahrenden Treppe, seinem Slideout und kleinen Details wie den fächerähnlichen Sichtblenden in den Fenstern vorne. Als es weitergeht, verabschieden sie sich und ich denke wieder mal, wie nett die Kanadier doch sind! In Golden im breiten Columbia River Valley rolle ich auf den Municipal Campground und gönne mir abends eine Besuch bei Apostoles, dem einzigen Griechen weit und breit. Nachts stehe ich ein paar Mal senkrecht im Bett. Was ich nicht wusste: Mein Stellplatz liegt nur 40, 50 Meter von den Eisenbahngeleisen entfernt ..

 

 

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