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Kanada Roadtrip: So tickt Vancouver!

Eines vorweg: Nichts gegen Vancouvers Große Drei, den Stanley Park, die Capilano Bridge und den Grouse Mountain. Jeder sollte sie gesehen haben, sie sind ja kanadische Klassiker. Ich war bei meinem letzten Besuch vor ein paar Tagen auch wieder dort. Aber weil Liebe durch den Magen geht und ich zudem gerne fliege, habe ich dieses Mal einen anderen Weg zu Vancouvers Seele eingeschlagen ..

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Japadogs schmecken klasse. Yummy und irgendwo zwischen süß und salzig. Alles klar?!

Die Foodtrucks von Vancouver

Mit Vancouver Foodie Tours ging es vormittags zu Fuß zu einigen der besten Foodtrucks in Downtown Vancouver. Dazu muss man wissen, dass es sich bei diesen Foodtrucks nicht um rollende Pommesbuden handelt, sondern um mobile Gourmetkantinen, die kreativ, global und oft auch organisch köcheln. Sie stehen an strategisch günstigen Stellen und füttern die Büroarbeiter in der Mittagspause. Ich war mit einer sachkundigen Führerin namens Jennifer und vier Mit-Essern aus allen Ecken Kanadas unterwegs, und es war einfach klasse. Nicht nur, dass man sich bei gutem Essen schneller kennenlernt. Es gab Fastfood, das mit den sonst darunter verstandenen Geschmacklosigkeiten nichts zu tun hat. Einfach köstlich war´s. Zunächst gab es bei Japadog ein, nun ja, Japadog. Was das ist? Ein findiger Japaner hatte 2005 die Idee, ein Hotdogbrötchen mit einer Wurst aus Kurobuta-Berkshire-Schwein, der Rolls Royce der Schweinefleischwelt, zu füllen und Teriyakisauce, japanische Mayo, gebratene Zwiebeln und in Streifen geschnittenen Seetang darüber zu geben. Ich war bekehrt!

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Dale von Soho Road mit seinen Signature-Wraps. Köstlich. Kein Wunder, dass er gut gelaunt war. Er verkauft tolles Fastfood.

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Immer gut drauf: Jennifer mit unseren Hoisin Chicken Rolls von Eat Chicken Wraps!

Dann ging es hinüber zu Soho Road. Dort waren zwei irdenen Tandoori-Öfen in Betrieb, und es gab Butter Chicken und Tandoori Chicken Wraps. Sagte ich lecker? Ein paar Hundert Meter weiter dann noch von Peking Ente inspirierte Hoisin Chicken Rolls bei Eat Chicken Wraps und Fish Taco bei Tacofino. Die Stimmung in unserer Gruppe stieg mit jedem Bissen, wir standen auf dem Bürgersteig und klönten mit Köchen und ebenfalls essenden Passanten. Fazit: Ich hatte nicht nur Spaß, sondern auch das Gefühl, in Vancouver angekommen zu sein!

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Jau, dude: Vor der Brauerei Storm Brewing. Storm war die letzte Brauerei auf unserer Liste. Das Bild trifft die bereits gelöste Stimmung ganz gut .. 🙂

Die Mikrobrauereien von Vancouver

Gleiches Konzept, anderes Produkt und auch hier Spaß wie Bolle: eine Tour durch die Mikrobrauereien in East Vancouver! Bierfans unter sich, dass muss einfach gut werden .. 🙂 Nachmittags ging es also mit Vancouver Brewery Tours zu vier Mikrobrauereien in East Vancouver. East Vancouver ist NICHT das Vancouver aus den Tourismusbroschüren. Hier stehen alte Lager- und Industriegebäude, lange war dies eine triste Ecke. Bis vor zehn, fünfzehn Jahren die ersten Unternehmer kamen, von den niedrigen Miet- und Grundstückspreisen profitierten und kleine, unabhängige Brauereien eröffneten. Inzwischen heisst East Van auch „Yeast Van“ und gilt mit seinen rund 20 Mikrobrauereien als Ground Zero der Craftbierbewegung. Wir – ein schottischstämmiger Vater mit seinem soeben volljährig gewordenen Sohn, ein amerikanisches Ehepaar aus Seattle und ein hochmotivierter Guide – rumpeln also in einem schwarzen Van über holperige Straßen und trinken, ups, kosten uns durch die „tasting rooms“ von vier dieser Brauereien.

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Gute Stimmung vor dem ersten Beer Tasting bei Main Street Brewing. Da kannten wir uns erst seit zehn Minuten!

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Bei Off The Rail an der Theke. Bei vielen Mikrobrauereien in East Van doubeln die „Tasting Rooms“ als Nachbarschaftskneipen.

Das schöne: Diese „tasting rooms“ fungieren zugleich als Nachbarschaftskneipen und Treffpunkte. Unnötig zu erwähnen, das man schnell ins Gespräch kommt .. 🙂 Aber beim Bier geblieben: Wir beehrten u.a die Main Street Brewery an der East Seventh Avenue, die Off the Rail Brewery an der Adanac Street und Storm Brewing – eine echte Klitsche, garagengroß und außen mit Graffiti übersät und drinnen zugestopft mit Schrotthaufen, die sich erst bei näherem Hinsehen als Fermentierungsfässer entpuppen. Die Wiege der Craftbierszene von Vancouver, sagt der Guide ehrfürchtig, James Walton habe hier Anfang der neunziger Jahre die ersten Craftbiere gebraut. James Walton gilt als schräger Vogel – und begnadeter Bierbrauer. Leider ist er nicht da, aber plötzlich habe ich ein Hurricane Ale in der Hand, es schmeckt klasse, und dann ein Glas Extreme Sour Beer. Ein viele Monate gereiftes und mit geheimen Zutaten gewürztes, elfprozentiges Sauerbier. Gleich beim ersten Schluck verziehen sich alle Gesichtsmuskeln. Meine Gruppe grölt vor Vergnügen. Der Genuss stellt sich erst ab dem dritten ein ..!

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Blick über die Schulter des Piloten: noch eine Kurve und dann zur Landung in Ganges auf Salt Spring Island angesetzt ..

Inselhüpfen: Mit dem Mail Run auf die Inseln

Vancouver ist die Stadt mit der schönsten Lage der Westküste. Nur noch San Francisco besitzt eine ähnlich gesegnete Geografie. Die blauen Berge des vorgelagerten Vancouver Island und die Inseln der Georgia Strait sieht man bereits beim Anflug. Aus großer Höhe. Tiefer fliegen – und noch mehr sehen und genießen – kann man beim Mail Run mit Harbour Air Seaplanes. Der Sitz der mit 200 Flügen täglich weltweit größten Wasserflugzeuggesellschaft liegt im Coal Harbour, umgeben von Kreuzfahrtschiffen und Segeljachten. Sie verbindet die Bewohner der Inseln und entlegener Küstenorte mit Vancouver – und transportiert deren Post. Mein Mail-Run-Flug ging von Coal Harbour zunächst nach Ganges auf Salt Spring Island und anschließend nach Maple Bay auf Vancouver Island. Geflogen wurden eine Twin Otter und eine kanadische Ikone, die DeHavilland Beaver. Ich flog über die Lion´s Gate Bridge und über offenes Meer den Gulf Island entgegen. Links glitten der Stanley Park und die Skyline der Downtown vorbei, rechts die Coast Mountains.

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Selfie? No problem!

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Über der Inselwelt zwischen Vancouver (Festland) und Vancouver Island ..

Bei einer Geschwindigkeit von 140 bis 190 km/h und einer Höhe um 1000 Metern bleibt reichlich Zeit zum Schauen und Genießen. Die Minuten nach Ganges auf Salt Springs Island bieten tolle Blicke auf Tanker, Segelschiffe, Inseln und Eilande im Minutentakt! In Ganges, einem knuddeligen Dorf mit Marina und Kunstgalerien, steige ich aus und beobachte das Kommen und Gehen. Der Pilot lädt einen Postsack aus und verabschiedet seine Passagiere. Ich schlendere zum Ende des Docks, wo schon die Beaver nach Maple Island wartet. Handschlag mit dem Piloten, einem jugendlichen Milchgesicht, dann weiter. Der Blick auf die Inselwelt ist einfach wunderbar. Auch die übrigen Gäste, Einheimische und Touristen, sind im Anblick versunken. In Maple Bay steigt ein sonnengebräuntes deutsches Urlauberpaar zu. Auch der Rückflug ist Genuss pur. Wir halten nach Walen Ausschau, haben aber kein Glück. Macht nichts. Nachdem wir den Stanley Park passiert haben, stelle ich das iPhone auf Video und filme die Kurve über dem Burrard Inlet und die Landung vor der Skyline von Downtown Vancouver. Einsame Spitze, große Klasse, unvergesslich. Und allein das Geld wert ..

 

Mehr über Foodtrucks, Microbreweries und Mail Run hier

  • Vancouver Foodie Tours findet Ihr hier
  • Nach Vancouver Brewery Tours hier entlang
  • Der Mail Run von Harbour Air Seaplane wird hier gebucht

 

 

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1 Comment

  • Reply
    Monika and Petar Fuchs
    30. September 2016 at 8:53

    So eine Foodie Tour und ein Mail Run stehen auch schon lange auf unserer Kanada Wunschliste, Ole. Dass es so viele Gourmet Food Trucks in Vancouver gibt, wusste ich bisher noch nicht. Ein Grund, wieder mal hin zu fliegen. Danke für die Tipps.

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